„Wohin soll das führen?“
Liebe Schwestern und Brüder!
- „Wohin soll das führen?“ fragen wir manchmal, wenn wir
skeptisch einer bestimmten Sache gegenüberstehen. Eine Frage, die
eigentlich nicht wirklich jemand beantworten soll, sondern die zum
Ausdruck bringen soll, dass wir lieber Abstand von dieser Sache nehmen
wollen oder, schlimmer noch, unheilvolles erwarten.
- Im Advent, der großen Zeit der Erwartung und des Wartens,
sollten wir uns diese Frage ruhig auch öfter stellen: „Wohin soll das
führen?“ Vor ein paar Tagen fiel mir in einer dieser typischen
Frauenzeitschriften ein Artikel auf mit der Überschrift: „Symplify your
Weihnachten“, was auf Deutsch etwa heißen würde: „Vereinfache dir dein
Weihnachten.“ Darin gaben die Redakteure und Redakteurinnen dieser
Zeitschrift Tipps, wie man sich mit weniger Stress auf Weihnachten
vorbereiten kann. Die bestanden aber, wie Sie sich wahrscheinlich denken
können, nicht aus Vorschlägen zur Besinnung und inneren Einkehr, sondern
aus Verpackungstipps, Internetadressen zur Bestellung von Geschenken,
Rezepten usw. „Wohin soll das führen?“
- Am letzten Dienstag bei der Adventsfeier unserer
Frauengemeinschaft habe ich eine Geschichte vorgelesen, die handelte
davon, dass in etwa 200 Jahren Weihnachten komplett zu einem Fest des
Konsums verkommen ist, von dem die Menschen denken, es wäre zu
Werbezwecken von Coca-Cola erfunden worden. Ein Fahnder, der den Auftrag
hat, überall zu kontrollieren, ob alle Gebühren ordnungsgemäß an Coca-Cola
bezahlt werden, stößt bei seiner Arbeit dann auf ein kleines Häuflein von
Christen, die sich in einer Kirche zum Gottesdienst getroffen hat und ihm
sagt, dass Weihnachten etwas mit der Geburt von Jesus zu tun hat.
- Wenn Johannes heute auftreten würde, wo stände er wohl?
Ich könnte mir vorstellen, er stände auf einem Weihnachtsmarkt, auf einer
Einkaufsstrasse oder mitten im CentrO. Und er würde uns aufrufen, die
Lichterschlauchberge und Geschenkpapierhügel abzutragen und die
Schieflage, die Weihnachten im Lauf der Jahre bekommen hat, wieder gerade
zu rücken, damit Jesus überhaupt wieder ankommen kann bei den Menschen. Am
Ende, heißt es im Evangelium, da sagt Johannes: „Und alle Menschen werden
das Heil sehen, das von Gott kommt.“ Ob wir es schaffen, dass dieses Heil
unter all den Bergen von überflüssigen Dingen für alle sichtbar wieder zum
Vorschein kommt?
- Rudi Weiß, ein Autor vieler Religionsbücher für die
Schule, hat zu dem Evangelium des heutigen Tages folgenden text
geschrieben:
„er gäbe zu
so genau hätte er nicht zugehört
wie meistens bei der Lesung -
ist ja sowieso immer dasselbe
sie wissen schon -
aber dann doch was interessantes aufgeschnappt
von "Berge abtragen und Hügel"
und "die Straßen eben machen"
und deswegen sei er
gleich in die Sakristei gekommen
vielleicht könnte er was tun diesbezüglich -
so sagte er
der Herr von Pittel und Brausewetter“
- Vielleicht können wir auch was tun diesbezüglich. Damit
der Weg für den Herrn geebnet ist, wenn er kommt. Und damit das Heil, das
von Gott kommt, wieder für alle zu sehen ist.