„Stärke unseren Glauben“ von Pastor Ludger Funke am 6.10. und 7.10.2007 (Auszüge)
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Georg Bernanos legt in
seinem Roman „Tagebuch eines Landpfarrers“ dem kranken Landpriester diese Worte
in den Mund.
„Nein, ich habe nicht den Glauben verloren. Der Ausdruck „den glauben
verlieren“, so wie man einen Geldbeutel verliert oder einen Schlüsselbund, ist
mir übrigens immer ein wenig albern vorgekommen. Er muss zum Wortschatz
kleinbürgerlicher, makelloser Frömmigkeit gehören. Hinterlassenschaft der ebenso
trübsinnigen wie schwatzhaften Priester des 18. Jahrhunderts.
Man verliert nicht den Glauben, aber er
hört auf, dem Leben Form zu geben. Das ist alles.
Aus: Georg Bernanos, Tagebuch eines Landpfarrers, aus d. Französischen v. Jakob
Hegner, Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg 2007.
Was passiert da? Nichts Dramatisches, sondern ein schleichender Vorgang. Mein Glaube – ich kann ihn nicht fassen. Ich erlebe mich als „geistesabwesend“.
Ohne böse Absicht! Alltagsstaub legt sich unmerklich über den Glauben, er
erkaltet unter Vergesslichkeit, Gleichgültigkeit. Die erste Liebe kühlt ab, der
Glaube wird lauwarm.
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Bis vor ein paar Jahren lebte ich wie die
meisten Christen auch. Ich war getauft, gehörte zur Kirche, ging ab und zu dem
Gottesdienst. Meine Schwester hingegen hatte sich sehr in unserer Gemeinde
engagiert, sie betreute Kranke, leitete Gruppen usw. Eines Tages fragte sie
mich, ob ich mich nicht mehr in der Gemeinde betätigen wolle. Ich lehnte ab. Da
sah sie mich an und sagte: „Stell dir einmal vor, Jimmy, es wäre verboten,
Christ zu sein. Eines Tages würdest du verhaftet, weil du in der
Mitgliederkartei der Kirche stehst. Würde der Staatsanwalt eigentlich genügend
Beweise dafür finden, dass du wirklich ein Christ bist?“
Über diese Frage habe ich die ganze Nacht nachgedacht...
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Von dem Jesuitenpater Anthony de Mello, der 1987
in New York verstorben ist, stammt die folgende Geschichte: Sie trägt den
Titel: „Er muss dran Glauben“
Ein Mensch wie du und ich fiel von einer Klippe. Beim Hinunterstürzen packte er
den Zweig eines kleinen Baums. Dort hing er nun zwischen dem Himmel und den
dreihundert Meter tiefer liegenden Felsen, wohl wissend, dass er sich nicht
länger würde festhalten können. Plötzlich kam ihm eine Idee. „Gott“, rief er,
so laut er konnte.
Schweigen, niemand antwortete.
„Gott“, schrie er noch einmal. „Wenn es dich gibt, rette mich, und ich
verspreche, dass ich an dich glauben und andere glauben lehren werde.“
Wieder Schweigen. Dann ließ er vor Schreck beinahe los, als eine kräftige
Stimme über den Canyon dröhnte. „Das sagen sie alle, wenn Not am Mann ist.“
„Nein, Gott, nein“, rief er laut, nun etwas hoffnungsvoller geworden. „Ich bin
nicht wie die anderen. Ich habe ja schon begonnen, zu glauben, merkst du das
nicht, ich habe ja schon deine Stimme vernommen. Nun musst du mich bloß retten,
und ich werde deinen Namen bis an die Enden der Welt verkünden.“
„Gut“, sagte die Stimme, „ich werde dich retten. Lass den Zweig los.“
„Den Zweig loslassen?“ schrie der verzweifelte Mann. „Hältst du mich für verrückt?“
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Glauben ist: Gehen, wo kein Weg ist; manchmal
gegen den Strom und manchmal den Berg hinauf, zu einem Platz, an dem man Gott
begegnen kann. Glauben ist: nicht dort oben zu bleiben, sondern wieder nach
unten zu gehen.
Dort unten geschieht es: Um gläubig zu leben, müssen wir mit beiden Beinen auf
dem Boden stehen.
Glauben bewirkt, dass man die Angst vor der Unsicherheit loslassen kann, weil
man im Herzen weiß, dass Gott einen nicht fallen lässt,
was auch geschieht, was einem auch passiert.